Geprüft und ausgezeichnet: 52 stolze Jungmusiker

Bläserkonzert Die Teilnehmer der ASM-Probenwoche zeigten in Günzburg, was sie gelernt haben

Günzburg Das konnte sich sehen – oder wohl eher hören – lassen, was der musikalische Nachwuchs der Region am vergangenen Samstag im Forum zum Besten gab. Das Konzert unter der Leitung von Stefan Tarkövi und Heike Schwarz bildete den Abschluss der Lehrwoche, die der vom Bezirk Günzburg im Allgäu-Schwäbischen Musikbund veranstaltet hatte (wir berichteten).

Wären zwischen den Stücken da nicht die Instrumente gewesen, die kurzerhand auf dem Boden platziert wurden, weil die Jungmusiker teilweise noch keine Ständer dafür haben, nichts hätte darauf schließen lassen, dass es für die meisten der 52 Teilnehmer das erste Konzert in einem Orchester war. Verblüffend souverän und mit einem merklich geschulten Sinn für Intonation starteten die Jungmusiker mit „Jupiter“, wie der Name schon verrät, eine majestätisch-ruhige Hymne von Gustav Holst.

Bei „Bilder einer Ausstellung“ schlenderte das Orchester vorbei an einer Promenade und traf dort auf eine Hexe namens „Baba-Jaga“. Die Einleitung durch das hohe Blech und satte Bassklänge im Wechsel mit dem Holz kennzeichnen dieses von Modest Moussorgski komponierte Werk.

Nachdem es für das Publikum beim „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns hieß, die musikalischen Elefanten und Mäuse zu finden, folgten die Darbietungen dreier Solisten: Hanna Zielinski auf der Querflöte, Andreas Wöhrle auf der Tuba und Joshua Münzer auf dem Schlagzeug zeigten gekonnt, was sie nun aus ihren Instrumenten herausholen können.

Fritz Neuböck komponierte ein Stück, das von den Musikern gleich drei verschiedene Spielarten abverlangt. In seiner Tanzsuite „Fanfare, Canto, Danza“ folgen lyrische auf anmutige Passagen, die schließlich in einen 6/8-Takt münden und dem Stück damit seine Charakteristik verleihen.

Für „Highlights from Harry Potter“ waren die Musiker zwischen elf und 16 Jahren sicherlich die beste Zielgruppe. Mit ihrem „Zaubermeister“ Tarkövi, der fleißig mit seinem „Zauberstab“ wedelte, begaben sich die Musiker auf eine magische Reise nach Hogwarts. – Natürlich vom Gleis 9 3/4 aus. Sanft setzten Flöten mit der bekannten Melodie ein, gefolgt von Klarinetten und Saxofonen. Düster wurde es mit Posaunen, Hörnern und Schlagwerk sowie einem soliden Klangteppich im Bass. Hohes Blech und ein präzises Glockenspiel im zartenPpiano lösten die Situation in ein harmonisches Finale auf.

Mal richtig abgerockt wurde schließlich bei „The Best of Queen“. Mit Klassikern, wie „Another one bites the dust“, „We will rock you“ oder „We are the champions“ verabschiedeten sich die frisch gebackenen Musik-„Champions“ vom Publikum und begaben sich nach einer Woche Bliensbach zurück in die sehnsüchtigen Arme ihrer Eltern.

Auch Johanna Eska, elfjährige Saxofonistin aus dem Blasorchester Kötz, wurde sehr von ihren Eltern vermisst. „Plötzlich auffallend still war es daheim“, gestanden sie. Doch Johanna hat die Lehrgangswoche genossen, Freunde kennengelernt und viel an Erfahrung gewonnen, musikalisch und persönlich. Besonders euphorisch war sie beim Harry Potter-Stück, sagte sie nach dem Konzert. „Das ist zwar anspruchsvoll, aber sehr abwechslungsreich. Außerdem ist die Melodie schön und bekannt“, begründete Johanna. Am schwierigsten fand sie den Gehörbildungs-Teil: „eine Notenfolge herauszuhören und dann zu notieren, das ist gar nicht so leicht“, gestand sie. Trotzdem schaffte es Johanna mit einer Abschlussnote von 1,11 unter die besten drei. In zwei Jahren möchte sie die nächste Prüfung anpeilen: die D2.

 

 

Drei Jahrzehnte Jugendlehrgangswoche Bliensbach – immer noch ein Erfolg

Seit 1984 veranstaltet der Bezirk 12 des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes in den Osterferien eine Jugendlehrgangswoche im Schullandheim in Bliensbach. Dort haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihr musikalisches Können unter Beweis zu stellen und die Bläserprüfungen in Bronze und Silber zu absolvieren. 2013 übernahmen erstmals die drei neugewählten Bezirksjugendleiterinnen Heike Schwarz, Kristina Schmidt und Anja Wiest die Organisation.

Wie sehen nun die Tagesabläufe einer solchen Woche aus?

Zunächst wird in gemeinsamen Unterrichtseinheiten der Stoff der Theorieprüfungen mit den Betreuern wiederholt und weiter geübt, was sich über die Jahre hinweg sehr bewährt hat. Dabei wird vor allem auf übriggebliebene Fragen der Kinder eingegangen und versucht, durch Merkzettel etc. die Angst vor den bevorstehenden Prüfungen zu nehmen. Die Praxisprüfungen fanden bereits am zweiten Tag der Jugendlehrgangswoche statt, um einen ersten Druck von den Kindern zu nehmen.

Es wird darauf geachtet, dass die Teilnehmer/innen trotz eines vielfältigen Programms noch genügend Freizeit haben, um sich näher kennen zu lernen bzw. um Freundschaften zu pflegen. Gemeinsame Wanderungen, Tischtennis und Fußball auf der Wiese des Schullandheims gehören genauso zum Programm wie themenbezogene Gruppenarbeit.

bliensbach1Doch auch der Spaß vor allem am Musizieren soll nicht zu kurz kommen. Die ganze Woche über proben die Teilnehmer zusammen mit ihren Dirigenten für ein gemeinsames Abschlusskonzert am Samstag im Forum am Hofgarten in Günzburg. Zusammen mit einem Ausflug ins Legoland bildet es den Höhepunkt der Woche.

Eine solche Erfahrung, in einem Orchester mit 50 jungen Musikerinnen und Musikern spielen zu können, macht die Jugendlehrgangswoche für die Teilnehmer sowie für die Betreuer zu einem unvergesslichen Gemeinschafts-Erlebnis.

So soll es auch im nächsten Jahr heißen: Auf nach Bliensbach!

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